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“Von der Musik Leben”, skeptisches Kopfschütteln ernte ich sehr oft für diese Aussage. Was heißt das denn? Kann man als ungesignter Künstler überhaupt Geld mit seiner eigenen Musik verdienen? Braucht man da nicht ein Label oder wenigstens ein Management? Ich betone dann immer, das ich alles komplett selber mache und in der Tat sogar ein “bisschen” davon leben kann.

Da ich mich zur Zeit viel mit dem Thema auseinander setze, möchte ich Euch mal einen kleinen Einblick in meine Finanzen als Musiker gewähren – quasi aus aktuellem Anlass.

Wer von Euch arbeitenden Menschen kennt das nicht, einmal im Jahr ist die Steuererklärung fällig, in meinem Fall meist ein paar Monate zu spät (sorry liebe Finanzbeamten, aber ich bin eine Schlampe wenn es um Papierkrieg geht). Allerdings habe ich mich jetzt endlich mal rangesetzt um die Zahlen durch zu gehen, denn geschätzt werden will man ja auch nicht. Ich muss dazu sagen, dass ich mich mit dem Release von Halbes Leben und dem Austritt aus meinem Startup nochmal neu selbstständig gemacht habe, weshalb ich gerade einen ziemlich guten Überblick über das Jahr habe – aufgehobene Quittungen sei dank.

Also fangen wir mal an das zu Skizzieren:

1. Crowdfunding auf Startnext: 5227,21 €

Da ich ja keine große Kohle hatte mein Album physisch heraus zu bringen, musste ich mir etwas überlegen um trotzdem die Kosten zu wuppen. Insgesamt 5227,21 € blieben nach den Abzügen durch Startnext und PAYPAL über. Einnahmen die ich natürlich versteuern muss. Wenn Euch interessiert wie ich mein erstes Crowdfunding gerockt habe, schaut mal auf der Seite bei Startnext vorbei: www.startnext.de/halbes-leben

2. Digitale Verkäufe (iTunes, Bandcamp, Amazon etc.): 498,56 €

Es wird ja oft angeprangert das Spotify einem den Boden unter den Füßen wegzieht, aber bisher lief das für mich ganz ok kann ich sagen. Zugegeben, ich hatte keine Erwartungen besonders viel zu verkaufen, aber immerhin macht das Streaming sogar einen Anteil von ca. einem Fünftel der Summe aus (rund 100+ €). Digital ist für mich vor allem ein überregionaler Faktor gewesen, insbesondere dann wenn ich ein Musikvideo veröffentlich hatte stiegen die Digital-Verkäufe und Streams sichtbar an, am stärksten nach dem König Video.

3. Gagen und Auftritte: 1200 €

Kurz nach der Veröffentlichung von Halbes Leben war ich noch als Solokünstler unterwegs, was bedeutet hat, dass die Gagen meist zwischen 50-100 € lagen, aber mein Hauptaugenmerk lag vor allem darauf Gigs zu spielen um im Anschluss meine CD zu verkaufen. Ich weiss das heute immer behauptet wird, das sich CD’s eigentlich nicht mehr lohnen, aber Ihr seht gleich warum ich in meinem Fall genau vom Gegenteil berichten kann. Jedenfalls kam mit ca. 100 Euro im Monat über das Jahr auch schon ein bisschen was zusammen.

4. Barverkäufe CD’s & Vinyl: 3025 €

Knaller, oder? Ich muss sagen, dass ich damit selber gar nicht gerechnet habe, wie viel allein durch das CD-Verticken bei rum gekommen ist. Dazu muss man sagen das dies in 2014 gerade mal 260 Alben und 17 Vinyls waren. Vinyl geht im Barverkauf nach Gigs eher weniger, aber immerhin besser als Downloads (hatte ich auch immer als ausgedruckte Gutscheine dabei). In der Regel kann man sagen dass ein Jonny S Fan lieber was in der Hand hat, was auch am sehr schönen Artwork der Platte gelegen haben mag. Vielen Dank dafür an meinen Bruder Flo

Gesamt: knapp 10000 €

Das macht knapp zehntausend Euro in einem Jahr. Wow, das hat mich dann doch umgehauen. Welcher Newcomer träumt nicht davon mit seiner Musik Geld zu verdienen, oder wie in meinem Fall doch ein ganz ansehnliches Taschengeld.

Produktionskosten / Presswerke / Versand / Sonstiges: 5689,89 €

Aber halt, nein! Da war ja noch was. Ich musste ja mein Album vorher auch noch pressen lassen, was sich auf folgende Posten herunterbrechen lässt: Vinyl – 3548,09 , CD – 1448,50 €, T-Shirts – 285,00 €. Dazu kamen noch Porto von insgesamt 175,40 € und der Kauf einer Kamera für Produktfotos über eBay – gebraucht für 230,00 € , dazu noch ein paar Büroartikel für 2,90 €. Das macht in Summe 5689,89 €. Zieht man das von den Einnahmen ab, bleiben am Schluss rund 4200 € die ich mit Musik im Jahr 2014 erwirtschaftet habe.

Die Ausgaben und warum ich mein nächstes Album schon wieder crowdfunde

Als eben von mir betiteltes “ein Taschengeld”, wäre das in der Tat sehr schön gewesen, allerdings hat mich zu der Zeit der Alltag sehr schnell wieder eingeholt, so dass die Einnahmen fast zu 100% in den Magen meiner kleinen Familie gewandert ist – ich kann also wirklich von mir behaupten das ich von der “Musik gelebt” habe.

Dieses Jahr sieht es bei mir beruflich nicht mehr so finster aus, da ich seit dem Sommer 2014 einem 40-Stunden Job nachgehe der mich und meine Famlie finanziert. Das sorgt zumindest im Moment dafür, dass ich es mir “leisten” kann jeden mit der Musik verdienten Euro wieder in die Musik zurück zu investieren. Was mich aber auch dazu führt, das ich mein nächstes Album Tattoo wieder mit Eurer Hilfe über ein Crowdfunding stemmen muss.

Fazit für Bands und Musiker

Ich kann Euch aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich wirklich lohnt Energie und Geld in ein Album stecken, besonders dann wenn Ihr viel unterwegs seid. Im übrigen lernt man dadurch auch schnell wie man seine CD vor Ort am besten verkauft (das war für mich eine sehr lehrreiche Lektion).

Es lohnt sich ausserdem IMMER in ein Musikvideo zu investieren – wobei investieren nicht zwangsläufig “Geld” sondern Kreativität, Zeit und Perfektion heisst. Mir jedenfalls hat das echt geholfen – siehe König: über 20000 Views auf Youtube.

Alles was Ihr in Euer Musikprojekt hineinsteckt bekommt Ihr wieder heraus – allerdings will ich anmerken das dies auch ein bisschen dauern kann. Dieses Jahr zum Beispiel habe ich gerade einmal 2 Gigs ohne Gage gespielt (davon einen Support Gig und einen Soli Gig). Pressekontakte die ich während der Promotion für Halbes Leben aufgebaut habe sind teilweise zu treuen Gefährten geworden, wo ich innerhalb eines Tages auch mal schnell einen Artikel bekommen habe (danke an meinrap.de, Rapblokk und das Flashbackmag).

Weiterhin kann ich Euch ermutigen Sachen einfach auszuprobieren. Auch wenn man immer meint eine genaue Vorstellung zu haben, kann der Sprung ins kalte Wasser ganz neue Erkenntnisse hervor bringen. Mir ging das zum Beispiel mit dem Crowdfunding so – als die eigentliche Promophase für die CD hätte laufen müssen war ja das Album schon fast ein halbes Jahr alt – schwierig da was zu platzieren. Allerdings brachte mir die erfolgreiche Finanzierung über Startnext auch viel regionale Aufmerksamkeit, somit wurde meine Notlösung zur Strategie.

So jetzt aber genug gebloggt.

Wenn Ihr Musiker seid würde mich interessieren was Ihr für Erfahrungen gemacht habt. Wieviel bleibt am Ende bei Euch hängen. Wie verhält sich das wenn Ihr einen Vertrag bei einer Plattenfirma habt? Wie findet Ihr das Thema und oder ist es für Euch interessant wenn ich Euch ein bisschen an meinem Weg teilhaben lasse? In wieweit ist Gema für Euch ein Thema und wenn ja lohnt sich das für Euch?

Schreibt mir Eure Gedanken in die Kommentare oder per Mail an info@jonny-s-music.de

PS:  in meinem Shop bekommt Ihr alle Halbes Leben Artikel (Poster, CD, Vinyl, Download) grad für die Hälfte: http://x7077.de/

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