Share Button

Mein letzter Blogpost zum Thema Musiker Realtalk: was in einem Jahr mit Musik verdient habe hat bei Euch ganz guten Anklang gefunden. Vielen Dank für die zahlreichen Messages und Emails. Ich möchte mich deshalb diese Woche einem anderen Thema widmen, was mir dabei geholfen hat in diesem Jahr mit meiner Band eine Menge Shows zu spielen, obwohl ich gar kein neues Material heraus gebracht habe.

Mit dem Release von Halbes Leben hatte ich für meine Verhältnisse eine Menge mediale Aufmerksamkeit für meine Musikvideos. Danke an dieser Stelle an meine Freunde Felix Kolbow, Ole Plönnigs, Agnes Kusnere, Leif Winterkemper, Tim Nocon, Fares Hamade, Fleye Produktions und den ganzen Helfern bei diesen Projekten. Das letzte Video zu Schweden erblickte im Dezember 2014 das Licht der Welt und war medial das letzte Lebenszeichen zur Platte.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits alle Songs für Tattoo geschrieben und hatte mir überlegt wie ich damit weiter verfahren sollte. Aus meiner Erfahrung als ehemaliger Startup Gründer war mir das Konzept eines Businessplans bereits vertraut, also fing ich an die Ideen die ich hatte aufzuschreiben. Also Künstler kennt man sicher das Problem, man hat eine gute Idee für einen Song, aber wenn man diese nicht festhält vergisst man sie auch schnell wieder (aus diesem Grund nehme ich auch immer mein Handy mit aufs Klo).

Ich schrieb also alle Sachen die mir von Zeit zu Zeit in den Kopf kamen auf. Das waren banale Dinge wie zum Beispiel meine Pressekontakte mal wieder aufzuräumen, über konkrete Gigs die ich im nächsten Jahr spielen wollte, bis hin zu Musikvideoideen und Kontakten die ich um Unterstützung bitten wollte. Alles wanderte als Sammelsurium in mein Smartphone. Jedes Ziel oder jede Idee bekam so einen eigenen Platz. Von Zeit zu Zeit (in der Regel einmal die Woche) schaue ich mir dieses Sammelsurium an Ideen oder konkreten Dingen die ich erledigen will an. Dabei entsteht automatisch eine Selektion in gute und weniger gute Ideen, welche dann wiederum um konkrete Schritte erweitert oder aber auch verworfen werden können.

Klingt alles ziemlich banal, aber ich möchte Euch ein paar kurzee Beispiele dafür geben in wieweit mir das Aufschreiben geholfen hat bestimmte Dinge zu erledigen.

  1. Mehr Gigs – im Jahr 2014 hatten wir unseren ersten richtigen Festival Gig. Opener auf der Hauptbühne beim Freakstock Festival in Borgenteich. Zugegeben das ist jetzt nicht das Splash, aber ich konnten innerhalb einer halben Stunde ein paar hundert Leute von unserer Musik begeistern und hatten einen wunderbaren Auftritt. Als wir im Tourbus zurück nach Braunschweig fuhren sagte ich der Band das ich im nächsten Jahr (also in diesem) mindestens 5 solcher open Airs spielen möchte. Aber dabei blieb es nicht, sondern ich schrieb mir das als Ziel auf. Immer wenn ich dann meine Ideensammlung betrachtete fiel mir dieses Ziel ins Auge und ich beschäftigte mich automatisch wieder mit diesem Gedanken. Und weil ich diesen verschriftlicten Wunsch immer wieder vor der Nase hatte schrieb ich Veranstalter an und bewarb mich auf Festivalslots und bei Open Airs. Aber nicht nur das, ich wurde dabei selbstbewusst und hatte keine Angst vor einer eventuellen Absage, sondern schrieb bei einem meiner präferierten Veranstalter als Bewerbungsgrund sogar “weil ich finde das es schon längst überfällig ist”. Ich kann Euch sagen wir wurden nicht nur gebucht, sondern auch als Highlight auf der Veranstalterwebseite angekündigt, inkl. Namensnennung in allen Printmedien. Aus den 5 Open Airs die wir uns im letzten Jahr vorgenommen hatten sind jetzt schon 9 geworden und das Jahr ist auch noch nicht vorbei.
  2. Effektivere Medienarbeit – als ich Ende letzten Jahres diese Idee mit dem Tattoo hatte und davon meiner Band erzählte wusste ich schnell das dies so ziemlich die medienwirksamste Idee war die ich je hatte. Ich wusste, dass es dafür nicht reichte einfach eine Pressemitteilung in meinen Presseverteiler zu kippen, sondern das es ein bisschen Vorbereitung brauchte um das Thema möglicht gewinnbringend zu platzieren. Ein befreundeter Journalist half mir dabei die entsprechenden Kontakte heraus zu suchen und herauszufinden wann die Kontaktperson bei der dpa am besten zu erreichen war. Dazu musste ich Ihn von Zeit zu Zeit immer wieder daran erinnern. Dieser Prozess dauerte insgesamt 2 Monate, denn ich wollte ja auch nicht meinem Kontakt jeden Tag auf den Sack gehen, sondern brauchte sein Wohlwollen und seine Hilfsbereitschaft. Das konnte ich deshalb, weil ich nach jedem Telefonat mir eine Notiz gemacht hatte wann ich das nächste Mal nachhaken wollte. Das Ergebnis war ein umwerfendes Medienecho, basierend auf einer einzelnen Pressemitteilung an den richtigen Kontakt, zur richtigen Zeit bei der dpa.
  3. Keine Gigs ohne Gage – welche Band kennt das Problem nicht. Man will gerne irgendwo spielen und am besten dafür auch noch ein bisschen mehr als den Fuffi für die Fahrtkosten verdienen. Man bewirbt sich also und in der Tat, man findet einen Veranstalter der Interesse an einem Booking bekundet. Die nächste Frage lautet dann meist: “Was nehmt Ihr denn so an Gage?”. Spätestens an dieser Stelle würde ich behaupten stellt sich bei den meisten Bands leichtes Unbehagen ein, denn man will zum einen den Gig spielen, aber ja auch nicht umsonst. Das dumme ist, wenn Ihr auf diese Frage keine Antwort parat habt, spielt Ihr immer zu den Konditionen des Veranstalters, und das ist in der Regel unter dem was Ihr Euch vielleicht vorstellt. Aus diesem Grund habe ich dieses Jahr auf meine Webseite den Bereich Booking eingeführt, dort gibt es drei Pakete zu unterschiedlichen Konditionen. Bei jeder Band-Bewerbung die ich schreibe schicke ich diese Seite einfach als Link mit und der Veranstalter kann dann kucken ob das in sein finanzielles Konzept passt. Ich muss mich also nicht herumwinden und bin viel leichter in der Lage zu verhandeln, weil mir dieser festgesetzte Preis auf der Webseite mir Sicherheit gibt. Das Ganze hatte in diesem Jahr zur Folge das wir abgesehen von zwei Shows immer zu unseren Konditionen wurden. Seitdem ich weiß, das die Veranstalter immer auf den Booking bereich kucken, habe ich dort zusätzlich technische Rider und zusätzlich meine Kontaktdaten hinterlegt, also alles was er im ersten Moment braucht. Der nette Nebeneffekt ist ausserdem, dass wenn ein Veranstalter nicht das entsprechende Budget hat um uns zu buchen, er bei uns zum Bittsteller wird und wir dadurch zum Beispiel teilweise bessere Vor-Ort Promotion oder andere Optionen aushandeln können. Ich kann Euch nur sagen es funktioniert.

Ich könnte Euch noch ein paar mehr Beispiele nennen, in denen sich das Aufschreiben meiner Ziele bewährt hat, aber das vielleicht ein anderes Mal. Ich habe jedenfalls für das nächste Jahr schon meine Ziele formuliert und niedergeschrieben. Manche davon mögen vielleicht auch noch ein bisschen hochgesteckt klingen, aber ernsthaft: hättet Ihr mir letztes Jahr geglaubt, das ich mit meinem Crowdfunding in allen deutschen Tageszeitungen lande?

Habt ein schönes Wochenende und alle Braunschweiger sehe ich hoffentlich am Samstag um 20:15 Uhr auf dem Streetfood Open Air im Kultviertel.

PS: ein gutes kostenloses Tool um sich selber zu organisieren ist übrigens Trello.